Archiv 2014

28.11.2014

Soiree in der Alten Kapelle Weetzen: Tiergedichte von Joachim Ringelnatz

Trotz des eisigen Windes, der um die Alte Kapelle in Weetzen fegte, hatten fünfzig Gäste von nah und fern den Weg nicht gescheut, um Gabriele Rose und Ursula Kühn vom Calenberger Autorenkreis zu erleben: Gabriele Rose trug Tiergedichte von Joachim Ringelnatz vor, Ursula Kühn umrahmte die Lesungen am Klavier mit Chansons und anderen Melodien aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Als G. Rose 2013 einen Vortrag über Leben und Werk von Joachim Ringelnatz vorbereitete, den sie dann in der Heimatstube Linderte las, war sie beindruckt durch die Vielzahl von Tiergedichten humorvoller, aber auch nachdenklicher und tragischer Natur. Bald schon keimte die Idee, dazu eine eigene Lesung zu bereiten, die sich im Gespräch und Ideenaustausch mit U. Kühn weiterentwickelte. U. Kühn, die dem Vorstand des Weetzener Vereins für Denkmalpflege e.V. angehört, schlug vor, diese Veranstaltung in der Weetzener Alten Kapelle durchzuführen und die Gedichte mit Melodien aus der Zeit, in der sie entstanden, zu umrahmen.             

Die aufmerksam lauschenden Zuhörer konnten sich davon überzeugen, dass dieses Konzept voll aufgegangen war, und sparten in der Pause und am Ende der Darbietung nicht mit Beifall und mit begeisterten Kommentaren. Hermann Burchard als Vorsitzender des Vereins dankte Gabriele Rose, die ihn durch die ausgewählten Gedichte und ihre ruhige, aber dennoch lebendige Art des Vortrages begeistert hatte, und seiner Vorstandskollegin Ursula Kühn für das kongeniale, einfühlsame Klavierspiel. Nochmaliger, begeisterter Applaus der Gäste zeigte deutlich, dass sie es ebenso erlebt hatten und seiner Beurteilung voll zustimmten.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Gelingen des Abends hatte auch die ausgezeichnete Akustik der Alten Kapelle Weetzen, die den stimmungsvollen und festlichen Rahmen für die Soiree bildete. Man kann sich nicht genug darüber freuen, dass sich vor nunmehr 40 Jahren Weetzener Bürger zu dem Verein für Denkmalspflege zusammenschlossen und ihrer Gemeinde dieses historische Gebäude mit großem Engagement und viel, viel Arbeit als Begegnungsort erhielten. 

[Text und Fotos: Karlfried Rose 29.11.2014; s.a.: Calenberger Zeitung 07.01.2015 S. 6]

22.02.2013

Gabriele Rose liest im Bennigser Bahnhof über Peter Härtling    

Auch in Bennigsen gibt es eine Schule, die nach Peter Härtling benannt ist. Und dennoch ist das, was er geschrieben hat und auch heute noch schreibt, vielen Menschen leider unbekannt.

„Als ich im Internet nachgesehen habe, um etwas über Peter Härtling zu erfahren, war ich erschlagen von der Menge dessen, was er bisher veröffentlich hat, und habe überlegt, wie man solch ein umfangreiches und sehr abwechslungsreiches Schaffen in einem Vortrag unterbringen könnte. Aber ich muss gestehen, dass es Gabriele Rose gelungen ist, uns einen guten Überblick über das Leben und Werk Peter Härtling zu geben und neugierig zu machen auf das, was er geschrieben hat.“ In diesen abschließenden Worten brachte Margrit Wittkugel vom Vorstand des RvB-Fördervereins zum Ausdruck, was wohl mancher der 30 Zuhörer gedacht haben mag.

Gabriele Rose zeigte in ihrem Vortrag am Freitagabend in der RvB-Gedächtnisbibliothek im Bennigser Bahnhof in ausgewählten Selbstzeugnissen und Werkbeispielen den Lyriker, Erzähler, Essayisten, Kritiker und Kinderbuchautor Peter Härtling, dessen Schaffenskraft auch heute mit 80 Jahren noch immer ungebrochen ist. Die ruhige und gekonnt akzentuierende Art des Vortrages ließ keine Langeweile aufkommen, und voller Konzentration folgten die Zuhörenden den Ausführungen.

Ein herzlicher Applaus am Ende und eine anschließende, angeregte Diskussion dankte der Referentin für ihren engagierten Vortag, der unschwer erkennen ließ, welche Freude ihr selber das Erarbeiten dieses Themas bereitet hatte.

Gabriele Rose hielt diesen Vortrag für den Calenberger Autorenkreis, dem sie freundschaftlich verbunden ist und der am Freitag, den 24. Mai 2013, um 19.30 Uhr mit der Lesung eigener Texte fortfährt. Dann werden Inge Hübner und Karlfried Rose vom Autorenkreis aus ihren Werken vorlesen.



14.02.2014 

Wie Rose an Ringelnatz erinnert

Stadtbücherei Elze würdigt Schriftsteller in eigener Reihe

Seine Schulzeit war eine Katastrophe. Sein Berufswunsch, Seemann, scheiterte an der Kurzsichtigkeit. Die Nazis verbrannten seine Bilder, setzten seine Bücher auf die Schwarze  Liste und verboten seine Auftritte. Aber sein Name zaubert jedem ein kleines Lächeln ins Gesicht, in Erinnerung an irgendeines seiner viele lustigen, eigenwilligen, kleinen Gedichte, die man mit ihm in Verbindung bringt: Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) . Über den liebenswerten, aufmüpfigen, phantasievollen Rebellen, der das Leben im Allgemeinen und Alltägliches im Besonderen unter seiner höchst eigenen Betrachtungsweise in Versen notierte, bot die Stadtbücherei Elze jetzt einen Vortragsabend an. Gabriele Rose aus Bennigsen schreibt zwar keine eigenen Texte, hat aber für den Calenberger Autorenkreis schon mehrere Referate über namhafte Dichter und Schriftsteller ausgearbeitet. Sie stellte den skurrilen Literaten vor. Sein bürgerlicher  Name lautete Hans-Gustav Bötticher. Das Pseudonym, das nach seinen Angaben keine besondere Bedeutung hatte, tauchte erstmals 1919 in seinen Notizen auf. Im vergangenen Jahr hätte er seinen 130. Geburtstag gefeiert, und im August 2014 gedenkt man seines 80. Todestages. Anlass genug, ihn wieder in Erinnerung zu rufen. Er hat ein in jeder Hinsicht unruhiges und ungesichertes Leben geführt. Verse schrieb er schon als Kind, aber die Schule verließ er mit „einer Kanone an Unwissenheit“. Danach fuhr er einige Zeit zur See, geriet dabei schnell in Schwierigkeiten, und landete schließlich mit 26 Jahren in München in der Künstlerkneipe „Simplicissimus“, wo er als Hausdichter glücklich, aber von erbärmlichen Honoraren unter Künstlern lebte. In dem Gedicht „Simplicissimustraum“ machte er seinem Wunsch nach angemessener Bezahlung Luft. Es machte ihn bekannt, aber seine ständige Geldnot nicht geringer. Dem 2-jährigen Intermezzo folgten viele weitere Ortswechsel und Tätigkeiten, um sich über Wasser zu halten. Im Krieg 1914-18 diente als Soldat bei der Marine, Karriere machte er auch dort nicht. Seine Erlebnisse und Beobachtungen drückte er in Gedichten, Erzählungen, Erinnerungen und Skizzen aus. Schreiben, Karrikaturen zeichnen und spätere  Auftritte als Kabarettist stehen für seine Berufung, die ihm zunehmend auch den Lebensunterhalt sicherte. Finanziell sorgenfrei war sein Leben nie. Das Auftrittsverbot durch die Nazis ruinierte ihn schließlich. Eine Lungentuberkulose kam hinzu, er starb mit 51 Jahren in Berlin.

Gabriele Rose lieferte viele Beispiele seiner Kreativität, las unter anderem aus seinen Gedichtbänden „Die Schnupftabaksdose“ von 1912  (hieraus zum Beispiel „Ein männlicher Briefmark erlebte/ was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt.Da war die Liebe in ihm erweckt …“) und den beiden 1920 erschienen Gedichtsammlungen „Turngedichte“ und „Kuttel Daddeldu“, in dem der Dichter Ringelnatz dem Seemann Ringelnatz ein Denkmal setzte. Seine ihm eigene Art zu denken offenbarte sich auch in den Kosenamen für seine Liebsten: Die ehemalige Verlobte nannte er wegen ihrer Kurzsichtigkeit „Maulwurf“, seine Frau Leonharda Pieper liebevoll „Muschelkalk“ als Symonym für Perle. „Die Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte“ war sein Hochzeitsgeschenk für sie. Er schrieb auch Bücher, die sich an Kinder wandten. Die ersten waren noch harmlos, später gab er im „Geheimen Kinderspielbuch“ und im später folgenden „Kinderverwirrbuch“ boshafte und obszöne Ratschläge, so dass eines von den Obrigkeiten als für Kinder verwerflich eingestuft wurde. Der Schatten des Todes offenbart sich in seinen späten Versen, aber die Ironie verliert er auch hier nicht gänzlich. In den „Gedichten der Todessehnsucht“ ist etwa vom „Fliegenleimselbstmord“ die Rede.

Der Vortrag wurde durch eine Pause unterbrochen, während der in der Bücherei aus Anlass des Valentinstages mit Sekt und kleinen Überraschungen zum Thema „Ringelnatz“ aufgewartet wurde: Gelegenheit für die zwanzig  Gäste, um sich angeregt über das Gehörte auszutasuchen, in den Bildbänden über Ringelnatz zu stöbern und mit der Referentin ins Gespräch zu kommen. [...].

[Text und Fotos: Ulrike Corciliu; s.a.: Hildesheimer Allgemeine Zeitung 19.02.2014 S. 16]