Als sie sich einst erblickten


Als sie sich einst erblickten,

da spürten sie den Sog,

der einen hin zum andren

unwiderstehlich zog.


Im Rausch erster Verliebtheit,

in rosarotem Licht,

sahn sie nur, was sie schätzten,

das andre jedoch nicht.


Die Freude, die sie fühlten,

sie konnten sie kaum fassen

und nur mit Widerstreben

kurz voneinander lassen.


Die Stunden rasch enteilten

in ungetrübtem Glück,

und erst nach Wochen kehrte

die Wirklichkeit zurück.


Jetzt mussten sie beim Liebsten

auch jene Seiten sehen,

die sie gar nicht vermissten,

die gleichwohl doch bestehen.


Bestürzt erkannten sie nun,

dass es nur beides gibt,

die Seite, die im Schatten,

und jene, die man liebt.


Sie lernten sich ertragen,

Gewohnheit kam hinzu,

und eh sie sich’s versahen,

warn sie zu Dritt im Nu.


Sie wurden Vater, Mutter,

trugen an Pflichten schwer,

und keiner der zwei dachte

ans Kennenlernen mehr,


an jene erste Liebe,

die noch Verliebtheit war,

als alles noch ganz einfach,

nur freudevoll und klar.

07.02.2011