Eine ganz besondere Ziege

Im Märchen vom Tischlein-deck-dich löst eine böse Ziege die Kette der Ereignisse aus. Dem Jungen sagt sie, dass sie satt ist und dem Vater, dass sie nichts zu essen bekommen hat. Der jagt darauf hin den Sohn vom Hof.  Am Ende geht alles gut aus und die Ziege wird vom Hof gejagt. Wenn der Vater das gleich gemacht hätte, wäre kein Wohlstand über die Familie gekommen, also hat die Ziege etwas Gutes bewirkt. Trotzdem wird sie weggeschickt, denn niemand ist auf die Idee gekommen, dass sie das Gute bewirken wollte. Natürlich hat sie nicht genau gewusst, was passieren würde, aber sie hatte wohl beobachtet, dass die Dinge im Argen lagen auf dem Hofe. Da kam ihr der Einfall, zwischen Vater und Sohn Zwiespalt zu säen, damit es dem Vater leichter fiele, sich vom Sohn zu trennen. Es hatte geklappt. Doch Undank ist der Welten Lohn und nun irrte sie im Wald umher und wusste nicht wohin. Immerhin hatte sie eine sonnige Lichtung mit gutem Gras gefunden, dort ließ sie es sich in der Wärme gut gehen. Kurz darauf wurde die Ruhe des Waldes durch lautes Rumpeln gestört. Neugierig schaute die Ziege auf. Sie erblickte eine Reihe von Wohnwagen, die jeder von zwei Pferden durch den Wald gezogen wurden. Bei der Lichtung hielten die Wagen an. Bunt gekleidete Menschen kamen aus den Wagen und plauderten munter durcheinander. Dabei bauen sie eine Feuerstelle, entfachten ein Feuer und begannen mit der Zubereitung einer wohlduftenden Suppe. Ein kleines Mädchen entdeckte plötzlich die Ziege und lief jauchzend auf sie zu. „Wen haben wir denn da?“ fragte einer der Männer scherzhaft. „Unser Abendessen“ antwortete ein anderer fröhlich. Der Ziege wurde Angst und Bange. „Das würde euch so passen“ meckerte sie „einer unschuldigen Ziege den Garaus machen. Ihr seid mir schöne Helden. Was meint wohl eure Kleine hier dazu?“ „Nanu, eine Ziege, die sprechen kann, das lob ich mir. Du bist in der Tat viel zu schade für den Kochtopf. Wir sind fahrende Schauspieler und könnten dich gut für die Bühne gebrauchen. Willst du uns begleiten?“ Mangels eines besseren Planes, stimmte die Ziege zu. Von da an wurde sie vom Trommler, der die Gruppe in jedem Ort ankündigte immer mit „Zandorra, die dichtende Ziege“ angekündigt. Auf der Bühne deklarierte sie unter großem Beifall einige Gedichte. Dieses Leben gefiel ihr. Die Schauspieler waren liebenswerte, umgängliche Menschen. Sie kam in der Welt herum und hatte ein gutes Auskommen. Sie kamen sogar bis nach Afrika. Es war sehr heiß dort und die Menschen hatten eine dunkle Hautfarbe. Es gab wenig Bäume und wenig Wasser, dafür viele unbekannte und ungewöhnliche Tiere. Eines Tages lagerten sie an einem Wasserlauf und die Ziege ging zum Fluss um zu trinken. Mittlerweile waren ihr die meisten Tiere des Landes bekannt. Am Wasser waren alle friedlich miteinander und es drohte keine Gefahr. An diesem Tag kamen zwei Tiere, die sie noch nie gesehen hatte. Die anderen Tiere machten dem Paar ehrfürchtig Platz. Da wusste die Ziege, dass sie den König der Tiere, den Löwen und seine Gefährtin  vor sich hatte. Die beiden kamen direkt auf sie zu. Die Ziege wusste, dass sie keine Chance zu fliehen hatte, denn der Löwe war sehr schnell. Also wartete sie zitternd ab, was passieren würde. „Willkommen an der großen Wasserstelle“ sagte die Löwin zur Ziege. Diese entspannte sich ein wenig. Das klang freundlich. „Wir haben von dir gehört und wollen dir einen Vorschlag unterbreiten, magst du ihn anhören?“ Die Ziege nickte. Dann begann der König zu sprechen „Es geht das Gerücht, dass du eine sprechende Ziege und in der Sprache der Menschen bewandert bist. Wir suchen schon lange jemanden, der unsere Kinder in der Menschensprache unterrichten kann, denn es ist wichtig, dass die Tiere die Menschen verstehen.“ „Das ist ein wohlgemeintes Angebot“ antwortete die Ziege  „aber ich habe ein gutes Leben mit dem fahrenden Volk, warum sollte ich hier bleiben?“ „Du kennst noch nicht das ganze Angebot“ fuhr der König fort „Wir werden dir einen prächtigen Ziegenbock zum Gemahle suchen und du kannst mit ihm eine Familie gründen. Als Dank für deinen Unterricht werden wir dich und deine Nachfahren unter unseren Schutz stellen.“

All die Jahre hatte die Ziege gar nicht gemerkt, wie einsam ihr Leben doch war. Ihre Sehnsucht nach einem Gefährten hatte sie sich niemals eingestanden. Das plötzliche schmerzhafte Ziehen in ihrem Herzen machte ihr dies im Nu deutlich. So sagte sie zu. Sie lebte lange und glücklich mit ihrem Gefährten und sie bekamen viele Nachfahren. Es ist ihr zu verdanken, dass viele Tiere in Afrika die Menschen verstehen. Das hat so manchem Tier geholfen, sein Leben zu retten. Deshalb gilt die Ziege unter Afrikas Tieren als Glücksbringer. Das ist bis heute so.