Archiv 2018

04.02.2018

Liebeslyrik, Tod und Kunstfleisch

Die beiden heimischen Literaten Karlfried Rose und Harald Peter Malz lesen auf dem Hermannshof

Schreibt mit einer gehörigen Portion wohldosierten, unterschwelligen Hummor: Harald Malz.

VÖLKSEN. Die schwache Wintersonne versinkt hinterm Deister, der Kaminofen bollert vor sich hin, das Licht schwindet. Genau die richige Atmosphäre für eine Lesung. Zum Jahresaufakt stand auf dem Hermannshof traditonell die Literatur im Mittelpunkt.
„Wir geben lokalen Literaten die Möglichkeit, einmal vorzutragen“, erklärt Eckhart Liss. Dass deren Vertreter sich hinter großer Literatur keineswegs zu verstecken brauchen, beweist an diesem Abend das Schreiber-Duo Karlfried Rose und Harald Peter Malz. Malz, 67, pensionierter Pädagoge und SPD-Ratsherr der Stadt Springe, habe die Liebe zum Schreiben gebracht.

Doch im Mittelpunkt dieser Lesung steht ein ganz im Stil des Genres der „social science fiction“ gehaltener Besuch in einer fiktiven Fabrik zur Erzeugung von Kunstfleisch. Präzise branchentypische Fachsprache, exakte Beobachtungen des Produktionsprozesses lassen anfangs den Zuhörern Text wie Fleisch auf der Zunge zergehen – ehe es ihnen dann als Horrorvision doch im Halse steckenbleibt. Geschickt macht Malz seinen Text mit einer gehörigen Portion wohldosierten, unterschwelligen Humors dennoch äußerst verdaulich. Was auch für die Anfangskapitel seines in Entstehung befindlichen Romans gilt, aus dem er im zweiten Teil des Abends vorträgt.

„Leben ist stets ein Suchen“, so die Aussage von Karlfried Rose. Auch er ist wie Malz Mitglied der sechs Literaten umfassenden Springer Gruppe „Wortart“. „2015 gegründet, treffen wir uns einmal im Monat“, informiert der ehemalige Berufsschullehrer.
Seit 1963 schreibe er Gedichte, erzählt der heute 75-Jährige. Manchmal im Stil von Eugen Roth, was auch bei der Lesung in Völksen durchschimmert. Ungleich stärker und mitreißender aber ist sein Text „Im Dunkel“ oder, noch intensiver, die Kurzgeschichte „Die Büchse der Pandora“, in der ein reicher Lebemann nach einem ausschweifenden Leben, in dem er immer vor sich selber weggelaufen ist, von Krankheit gezeichnet zu sich und seinem Ende findet. Rose gelingt ein Text irgendwo zwischen Abenteuerroman und Psychogramm mit fast surrealen Untertönen.

Fazit: zwei Stücke starke Literatur. Ob da die lyrischen Versuche notwendig waren, darf kritisch diskutiert werden. Allein die Prosatexte waren einen Besuch der Jahresauftakt-Lesung wert. Die Zuhörer dürfen auf weitere Geschichten der beiden Wortart-Schreiber aus dem Springer Stadtgebiet gespannt sein.

[Text + Fotos: Christoph Huppert, Neue Deister Zeitung 08.02.2018 Seite 10]

 Der winterliche Hermannshof

26.01.2018

Gabriele Rose: Leben und lyrisches Werk von Eduard Mörike

Die erste Lesung im dreizehnten Jahr der Veranstaltungsreihe „Literatur im Bahnhof“ des Fördervereins Rudolf von Bennigsen hatte den deutschen Lyriker, Erzähler und Übersetzer Eduard Mörike zum Thema. Gabriele Rose von der Gruppe „Wortart – Springer Literaten & Co.“ berichtete über das Leben Mörikes und bezauberte die etwa dreißig Zuhörerinnen und Zuhörer mit der einfühlsamen Rezitation bekannter und auch weniger bekannter Gedichte des schwäbischen Dichters.

Die meisten Menschen verbinden mit dem Namen Mörike das Bild eines gemütlichen, etwas weltfremden und mü­den Biedermeiermenschen im Habit des evangelischen Pfarrers, eines Idyllenschreibers und Einsiedlers, der zurückgezogen und etwas unbeholfen in seiner weltabgeschiedenen Pfarre getreulich, mitun­ter ein bisschen nachlässig seinen Dienst versah. Kaum mag man glauben, dass Mörike ein ver­heirateter Mann war, Vater zweier Töchter, denn Zeugungskraft passt nicht zum Bild des ein Leben lang von allerlei Krankheiten und Kränkeleien geplagten Mörike.
Gabriele Rose zeigte den Menschen hinter dieser Fassade mit all seinen Brüchen, Ängsten, Selbstzweifeln und charakterlichen Eigenarten und Mängeln, aber auch einen Menschen, dessen einziger Lebenswunsch und dessen Bestimmung es war, das Leben eines Dichters ohne die Fesseln eines einengenden Broterwerbs zu leben. Aber wahrscheinlich waren es gerade diese Unzulänglichkeiten und Konflikte, die ihn einerseits gesundheitlich belasteten, andererseits ihn auch zum Schreiben drängten.
                   

Wieder einmal wurde es ein Abend, der vielen neue Kenntnisse und Eindrücke vermittelte, andererseits aber auch im gelösten Miteinander von Referentin und Zuhörenden und Fragenden seinen besonderen Reiz entfalten konnte. Ein Glas trockenen Weißweins, wie immer von Hartmut und Elvira Rieck kredenzt, trug zum Gelingen des Abends bei.

Herzlicher Beifall aller Anwesenden dankte Gabriele Rose am Schluss ihres Vortrages, ein kleines Dankeschön in Form eines „Schäumers“ gehörte auch dazu.

[Foto: Elvira Rieck; Text: Karlfried Rose]